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Mama trägt den Notrufknopf nicht. Was nun?

5 Min. LesezeitZuletzt geprüft: Wohnwacht-Redaktion

Der Hausnotruf ist eingerichtet, der Knopf liegt in der Schublade. Das kennen viele Familien. Meist steckt kein Trotz dahinter, sondern ein nachvollziehbarer Grund. Hier lest Ihr, welche Gründe häufig sind, wie Ihr das Gespräch führt und welche Wege es ohne Armband gibt.

Ihr seid nicht die Einzigen

Ihr habt Euch gekümmert, Angebote verglichen, den Hausnotruf einrichten lassen. Beim nächsten Besuch liegt der Knopf auf der Fensterbank. Auf die Frage, warum, kommt ein „Ach, ich pass schon auf“. Das ist ärgerlich und macht vielleicht auch Sorgen. Es ist aber sehr verbreitet, und es hat Gründe, die man verstehen kann. Wer sie kennt, findet leichter eine Lösung, mit der alle leben können.

Warum der Knopf in der Schublade liegt

„Das brauche ich noch nicht“

Ein Notrufknopf am Handgelenk sagt jedem, der ihn sieht: Diese Person braucht vielleicht Hilfe. Viele ältere Menschen wollen das nicht zeigen, schon gar nicht beim Bäcker oder wenn Besuch kommt. Das ist kein Leichtsinn, sondern der Wunsch, selbstständig zu bleiben und so gesehen zu werden.

Abgelegt und vergessen

Beim Händewaschen stört das Armband, beim Duschen will man es nicht nass machen, beim Anziehen hängt die Kette im Pullover. Also kommt der Knopf kurz ab. Danach bleibt er liegen, weil er im Alltag nicht auffällt. Gerade das Bad ist aber ein Ort, an dem man ihn gern dabei hätte.

Nachts

Viele legen den Knopf zum Schlafen auf den Nachttisch. Wer nachts zur Toilette geht, nimmt ihn selten mit. In einer britischen Studie sagte eine Teilnehmerin, sie habe ihn „schon für die Nacht abgelegt“ gehabt, als sie stürzte.

Niemanden aufscheuchen

Manche tragen den Knopf, drücken ihn aber nicht. Sie wollen erst selbst versuchen aufzustehen. Andere fürchten, dass ein Druck sofort einen Rettungswagen und einen Krankenhausaufenthalt nach sich zieht. Und manche haben Sorge vor einem Fehlalarm, der ihnen peinlich wäre.

Was die Forschung dazu sagt

Eine viel zitierte Untersuchung stammt aus England. Jane Fleming und Carol Brayne haben 2008 im British Medical Journal (BMJ) ein Jahr lang 110 Menschen über 90 Jahre in Cambridge begleitet. 66 von ihnen stürzten mindestens einmal. Rund 80 % dieser 66 konnten nach mindestens einem Sturz nicht allein aufstehen, rund 30 % lagen mindestens einmal eine Stunde oder länger am Boden.

Die meisten hatten einen Notrufknopf oder eine Rufanlage. Trotzdem wurde der Notruf in fast allen Fällen, in denen jemand allein lange am Boden lag, nicht ausgelöst. Die Gründe, die Teilnehmende und Angehörige nannten, passen zu den oben genannten: Der Knopf wurde nicht getragen, war schon für die Nacht abgelegt, man wollte selbst aufstehen oder nicht ins Krankenhaus.

Die Studie ist klein, betrifft sehr alte Menschen und ist fast 20 Jahre alt. Geräte und Angebote haben sich seitdem verändert. Ihre Lehre gilt aber weiter: Ein Notrufknopf hilft nur, wenn er in Reichweite ist und die Person ihn auch benutzen will. Die Autorinnen empfehlen deshalb, Notrufe leichter erreichbar zu machen und die Sicht der älteren Menschen ernst zu nehmen.

Das Gespräch führen

Bevor Ihr nach einem anderen Gerät sucht, lohnt ein ruhiges Gespräch. Ein paar Dinge helfen dabei:

  • Fragen statt erklären. „Was stört Dich an dem Knopf?“ bringt mehr als der fünfte Hinweis, wie wichtig er ist.
  • Von Euch sprechen. „Ich schlafe ruhiger, wenn ich weiß, dass Du Hilfe holen kannst“ klingt anders als „Du musst das tragen“.
  • Einen Probealarm machen. Wer einmal erlebt hat, was beim Drücken passiert und wer sich meldet, verliert oft die Scheu davor.
  • Klare Absprachen treffen. Wann wird nur ein Angehöriger angerufen, wann der Rettungsdienst? Das nimmt die Angst vor dem großen Aufgebot.
  • Die Entscheidung respektieren. Eure Eltern entscheiden selbst, solange sie das können. Eine Lösung, die sie mittragen, ist mehr wert als eine, die sie ablehnen.

Manchmal hilft ein Dritter: die Hausärztin, eine Pflegeberatung oder der Anbieter selbst, der viele solcher Gespräche kennt.

Wenn sich etwas verändert

Kann Eure Mutter den Knopf nicht mehr gezielt benutzen, etwa wegen einer beginnenden Demenz, sprecht mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass ein Hausnotruf dann weniger geeignet sein kann. Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung.

Kleine Änderungen, die oft reichen

  • Kette statt Armband, oder umgekehrt. Viele Anbieter haben beides. Was sich angenehmer trägt oder unter der Kleidung verschwindet, wird eher getragen.
  • Fester Platz für die Nacht. Ein Haken oder eine Schale direkt am Bett, damit der Knopf beim Aufstehen in Reichweite ist.
  • Das Bad mitdenken. Fragt den Anbieter, ob der Sender beim Duschen getragen werden darf und ob es einen zusätzlichen Taster im Bad gibt.
  • Eine Uhr statt eines Knopfes. Wer ohnehin eine Uhr trägt, nimmt eine Notrufuhr leichter an. Sie muss aber regelmäßig geladen werden.

Wege ohne Armband

Wenn der Knopf trotz allem nicht getragen wird, gibt es Lösungen, bei denen man nichts am Körper haben muss. Jede hat Stärken und Grenzen.

Sprachalarm: rufen statt drücken

Ein kleines Gerät steht zentral in der Wohnung. Ruft Eure Mutter dreimal „Hilfe“, ruft Wohnwacht nacheinander bis zu drei Kontakte an und schickt allen eine SMS. Das Wort wird im Gerät selbst erkannt, es wird nichts aufgenommen. Grenzen: Der Sprachalarm braucht Strom und WLAN, die Person muss rufen können, und die Rufweite hängt von Wohnung und Türen ab. Er hat keine Zentrale, wählt nicht die 112 und erkennt keine Stürze. Mehr dazu auf der Seite zum Sprachalarm ohne Knopf.

Sensoren in der Wohnung

Bewegungsmelder, Bodensensoren oder Radargeräte erkennen je nach Produkt, ob sich jemand bewegt oder ob ein Sturz wahrscheinlich ist, ganz ohne Zutun. Dafür braucht es meist eine Installation, und nicht jedes System ist dafür gedacht, Hilfe zu holen. Fragt genau, was gemeldet wird und an wen.

Smart Speaker

Mit einem Sprachassistenten lassen sich bestimmte Kontakte per Sprachbefehl anrufen. Den genauen Befehl muss man sich aber merken, und in Deutschland wählen diese Geräte keine 110 oder 112.

Wege, Hilfe zu holen, wenn der Knopf nicht getragen wird
MerkmalKnopf / KetteNotrufuhrSprachalarmSensoren
Muss getragen werdenjaja, und ladenneinnein
Auslösungdrückendrücken, oft auch Sturzerkennungdreimal „Hilfe“ rufenautomatisch, je nach Produkt
Wer wird erreichtmeist ZentraleZentrale oder Angehörigebis zu 3 Kontakte, Anruf und SMSje nach Produkt
Grenzemuss am Körper seinmuss am Körper und geladen seinPerson muss rufen könnenInstallation nötig

Einen ausführlichen Überblick mit Kosten findet Ihr im Vergleich Hausnotruf und Sprachalarm. Was der Sprachalarm im Monat kostet, steht auf der Preisseite.

Beides zusammen

Oft ist die beste Lösung keine Entweder-oder-Frage. Der Hausnotruf bleibt für die Tage, an denen der Knopf getragen wird, mit Zentrale und Zuschuss der Pflegekasse. Der Sprachalarm deckt die Momente ab, in denen er auf dem Nachttisch oder neben dem Waschbecken liegt. Wohnwacht ist kein Hausnotruf und keine Notrufzentrale. Bei Lebensgefahr: 112.

Häufige Fragen

Sollen wir darauf bestehen, dass Mama den Knopf trägt?

Druck hilft selten. Fragt lieber nach ihren Gründen und sucht gemeinsam eine Lösung, die zu ihrem Alltag passt. Am Ende entscheidet sie selbst, solange sie das kann.

Darf der Notrufknopf mit unter die Dusche?

Das hängt vom Gerät ab. Fragt den Anbieter, ob der Sender beim Duschen getragen werden darf und ob es einen zusätzlichen Taster für das Bad gibt.

Hilft ein Sprachalarm, wenn meine Mutter nicht mehr rufen kann?

Nein. Der Sprachalarm braucht einen Ruf: dreimal „Hilfe“. Wer bewusstlos ist oder nicht sprechen kann, kann ihn nicht auslösen. Er erkennt auch keine Stürze.

Funktioniert der Sprachalarm im Bad?

Das hängt von Wohnung, Türen und Lautstärke ab. Bei der Einrichtung testen wir mit einem Probealarm, ob Bad und Schlafzimmer erreicht werden.

Können wir den Hausnotruf behalten und den Sprachalarm dazunehmen?

Ja. Beides läuft unabhängig voneinander. Der Hausnotruf verbindet mit einer Zentrale, der Sprachalarm ruft Eure Kontakte an und schickt ihnen eine SMS. Wohnwacht ist kein Hausnotruf und keine Notrufzentrale. Bei Lebensgefahr: 112.

Quellen

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