Die kurze Antwort
Beim Notruf per Sprache drückt niemand einen Knopf. Stattdessen steht ein kleines Gerät in der Wohnung und achtet auf ein bestimmtes Wort, etwa „Hilfe“. Erkennt es das Wort, benachrichtigt es Menschen, die vorher festgelegt wurden: Angehörige, Nachbarn oder bei manchen Angeboten eine Zentrale. Der große Vorteil: Man muss nichts am Körper tragen. Die wichtigste Grenze: Man muss rufen können.
Wir erklären das Prinzip am Beispiel unseres Sprachalarms ohne Knopf, weil wir dort genau wissen, wie er arbeitet. Andere Angebote können anders funktionieren. Die Fragen am Ende jedes Abschnitts helfen Euch, sie zu prüfen.
Das Prinzip: Worterkennung im Gerät
Ein Sprachassistent wie Alexa wartet auf sein Aktivierungswort und schickt dann alles, was danach gesagt wird, zur Auswertung an Server von Amazon. Eine Verarbeitung nur auf dem Gerät gab es in Deutschland laut Amazon nie. Das hat einen Grund: Ein Assistent soll beliebige Sätze verstehen, und dafür braucht er viel Rechenleistung.
Ein Gerät, das nur Hilfe rufen soll, muss viel weniger können. Es muss ein einziges Wort sicher erkennen. Das geht mit einem kleinen Erkennungsmodell, das direkt auf dem Gerät läuft. Der Sprachalarm vergleicht laufend, ob das, was er hört, wie „Hilfe“ klingt. Alles andere versteht er nicht und behält er nicht. Es wird nichts aufgenommen und keine Audioaufnahme übertragen.
Fragt jeden Anbieter: Wird das Wort im Gerät erkannt oder auf einem Server? Werden Aufnahmen gespeichert, und wenn ja, wo und wie lange?
Was nach dem Ruf passiert
Beim Sprachalarm von Wohnwacht läuft ein Hilferuf so ab:
- Eure Mutter ruft dreimal „Hilfe“, innerhalb von etwa zwei Minuten. Pausen sind in Ordnung.
- Das Gerät sagt an, dass es jetzt Hilfe ruft. Wer „Stopp“ sagt, bricht ab.
- Wohnwacht ruft den ersten Kontakt an. Eine Ansage erklärt, was los ist. Der Kontakt bestätigt mit der Taste 1.
- Bestätigt er nicht innerhalb von etwa 45 Sekunden, wird der nächste angerufen, bis zu drei Kontakte.
- Zusätzlich bekommen alle Kontakte eine SMS.
Wer bestätigt hat, weiß Bescheid und kümmert sich: ruft zurück, fährt hin oder schickt jemanden, der in der Nähe wohnt. Es lohnt sich, das vorher in der Familie abzusprechen. Wer hat einen Schlüssel? Wer ist tagsüber erreichbar? Wer wohnt am nächsten?
Fragt jeden Anbieter: Wer wird benachrichtigt, in welcher Reihenfolge, und was passiert, wenn niemand reagiert?
Fehlalarme
Ein Gerät, das auf ein Wort hört, kann sich verhören. Ein Krimi im Fernsehen, ein Hörspiel, ein Satz im Gespräch. Deshalb löst ein einzelnes „Hilfe“ beim Sprachalarm nichts aus. Es braucht drei Rufe in etwa zwei Minuten. Und selbst dann gibt es eine letzte Bremse: Das Gerät kündigt an, dass es Hilfe ruft, und ein „Stopp“ genügt, um abzubrechen.
Die umgekehrte Gefahr gibt es auch. Läuft der Fernseher oder das Radio sehr laut, kann es schwerer werden, einen Ruf zu erkennen. Ein guter Platz für das Gerät ist deshalb nicht direkt neben dem Fernseher.
Fragt jeden Anbieter: Wie werden Fehlalarme verhindert, und wie bricht man einen ab?
Rufweite: Wie weit hört das Gerät?
Das ist die wichtigste praktische Frage. Ein Ruf aus dem Bad mit geschlossener Tür kommt im Wohnzimmer leiser an als einer aus dem Flur. Wie weit es reicht, hängt von der Größe der Wohnung, den Türen und davon ab, wie laut jemand rufen kann. Eine feste Meterzahl, die für jede Wohnung stimmt, gibt es nicht.
Deshalb machen wir bei der Einrichtung einen Probealarm. Wir prüfen, ob ein Ruf aus dem Bad und aus dem Schlafzimmer erkannt wird. Das Gerät steht dafür möglichst zentral, zum Beispiel im Flur. Gerade das Bad und der Weg zur Toilette in der Nacht sind Orte, an denen ein Knopf oft nicht dabei ist.
Fragt jeden Anbieter: Wird die Rufweite in der Wohnung getestet, und was passiert, wenn ein Raum nicht erreicht wird?
Datenschutz
Ein Gerät mit Mikrofon in der Wohnung der Eltern ist für viele Familien eine echte Hürde. Das ist verständlich. Beim Sprachalarm gilt: Das Wort „Hilfe“ wird im Gerät erkannt, es wird nichts aufgenommen, keine Audioaufnahme verlässt die Wohnung. Was an unsere Zentrale geht, ist die Meldung, dass ein Hilferuf ausgelöst wurde, und ein regelmäßiges Lebenszeichen des Geräts. Unsere Zentrale läuft in einem Rechenzentrum in der EU (Amsterdam). Daten verkaufen wir nicht.
Wichtig ist auch die Zustimmung Eurer Eltern. Ein Gerät, von dem sie wissen und mit dem sie einverstanden sind, wird eher akzeptiert als eines, das „einfach da“ ist.
Die Grenzen
Ein Hilferuf per Stimme ist kein Ersatz für alles. Für den Sprachalarm heißt das:
- Er hat keine Notrufzentrale und wählt nicht die 112.
- Er erkennt keine Stürze.
- Er hilft nicht, wenn jemand nicht rufen kann, zum Beispiel bei Bewusstlosigkeit oder wenn die Stimme versagt.
- Er braucht Strom und WLAN. Fällt das Gerät aus, merken wir das nach etwa 15 Minuten und melden uns.
- Er funktioniert nur zu Hause, nicht unterwegs.
Umgekehrt hat der Ruf per Stimme eine Stärke, die ein Knopf nicht hat: Er ist auch dann da, wenn der Knopf gerade auf dem Nachttisch liegt. In einer britischen Studie von 2008 mit Menschen über 90 Jahren wurde der vorhandene Notrufknopf in fast allen Fällen, in denen jemand allein lange am Boden lag, nicht genutzt, oft weil er nicht getragen wurde. Deshalb kombinieren viele Familien beides.
Was der Sprachalarm nicht ersetzt
Im Vergleich
So unterscheidet sich der Hilferuf per Stimme von den beiden bekanntesten anderen Wegen. Ausführlicher steht das im Vergleich Smart Speaker und Sprachalarm.
| Merkmal | Hausnotruf | Smart Speaker | Sprachalarm |
|---|---|---|---|
| Auslösung | Knopf drücken | fester Befehl mit Namen | dreimal „Hilfe“ |
| Muss getragen werden | ja | nein | nein |
| Wer wird erreicht | Zentrale rund um die Uhr | ein Kontakt mit Alexa-App oder Echo | bis zu 3 Kontakte, Anruf und SMS |
| Sprache wird verarbeitet | – | in der Cloud | im Gerät |
| Wählt 112 | Zentrale verständigt Rettungsdienst | nein | nein |
| Zuschuss Pflegekasse | ja, mit Pflegegrad | nein | nein |
Der Sprachalarm kostet 14,99 € im Monat, Gerät und Einrichtungshilfe inklusive. Die Preise im Überblick findet Ihr auf der Preisseite.
Für wen das passt
Ein Hilferuf per Stimme passt gut zu Menschen, die zu Hause allein leben, sich gut verständigen können und einen Knopf nicht tragen wollen oder oft ablegen. Er passt weniger, wenn jemand kaum noch spricht oder viel unterwegs ist. Dann sind ein Hausnotruf mit Zentrale oder eine Notrufuhr mit Sturzerkennung die naheliegenderen Wege, gern auch in Kombination.