Die kurze Antwort
Ohne Kamera erkennen vor allem drei Arten von Technik einen Sturz automatisch: Sensoren am Körper (Notrufarmband, Smartwatch), Sensoren im Raum (Radar oder Präsenzmelder) und Sensoren im Boden. Keine davon erkennt jeden Sturz, und alle melden gelegentlich einen Sturz, der keiner war. Daneben gibt es Lösungen, die keinen Sturz erkennen, sondern auf ein fehlendes Lebenszeichen oder einen Hilferuf reagieren.
Gleich vorweg
Wohnwacht erkennt keine Stürze. Unser Sprachalarm reagiert auf einen Ruf: dreimal „Hilfe“. Wer bewusstlos ist oder nicht sprechen kann, kann ihn nicht auslösen. Wir beschreiben ihn hier trotzdem, weil viele Familien genau zwischen diesen Wegen abwägen.
Warum die Frage so wichtig ist
Ein Sturz ist oft nicht das größte Problem, sondern das, was danach kommt: nicht allein aufstehen zu können und lange zu liegen. Eine britische Studie im British Medical Journal hat 2008 ein Jahr lang 110 Menschen über 90 Jahre begleitet. Von den 66, die stürzten, konnten rund 80 % nach mindestens einem Sturz nicht ohne Hilfe aufstehen. Rund 30 % lagen mindestens einmal eine Stunde oder länger am Boden. Notrufknöpfe waren meist vorhanden, wurden in den meisten dieser Fälle aber nicht ausgelöst.
Daraus ergeben sich zwei Wege. Entweder die Technik merkt selbst, dass etwas passiert ist. Oder sie macht es so leicht wie möglich, Hilfe zu holen. Beides hat Stärken und Grenzen.
Automatisch erkennen oder selbst rufen?
Automatische Erkennung hilft auch dann, wenn jemand nach einem Sturz nicht mehr rufen oder drücken kann. Der Preis: Die Technik muss entscheiden, ob gerade ein Sturz passiert ist. Ein Whitepaper des Fraunhofer-Instituts IPA fasst die Forschungslage so zusammen, dass solche Systeme Potenzial haben, Übersichtsarbeiten aber auch auf hohe Fehlalarmraten und teils geringe Zuverlässigkeit hinweisen.
Selbst Hilfe rufen ist zuverlässig, wenn die Person bei Bewusstsein ist und Hilfe holen will. Es setzt aber voraus, dass sie das Gerät erreicht, es trägt oder dass es sie hören kann.
Die Techniken im Überblick
Notrufarmband oder Halssender mit Sturzsensor
Viele Hausnotruf-Anbieter bieten zusätzlich Sender an, die bei einem Sturz automatisch Alarm auslösen. Laut Verbraucherzentrale sind solche Falldetektoren eine Zusatzleistung, die man selbst bezahlt. Es gibt auch Notrufarmbänder für unterwegs, die Angehörige oder eine Zentrale benachrichtigen.
- Pro: erkennt Stürze dort, wo die Person gerade ist, oft mit Sprechverbindung zur Zentrale
- Pro: bei Hausnotruf-Anbietern rund um die Uhr besetzte Zentrale
- Contra: hilft nur, wenn der Sender getragen wird, auch nachts und im Bad
- Contra: erkennt nicht jeden Sturz, Fehlalarme sind möglich
Smartwatch mit Sturzerkennung
Manche Smartwatches haben eine Sturzerkennung. Bei der Apple Watch zum Beispiel ist sie automatisch eingeschaltet, wenn bei der Einrichtung ein Alter ab 55 Jahren angegeben wurde. Erkennt die Uhr einen schweren Sturz und danach etwa eine Minute keine Bewegung, startet ein Countdown von 30 Sekunden. Wird er nicht abgebrochen, ruft die Uhr den Notruf und benachrichtigt die Notfallkontakte. Apple schreibt selbst, dass die Uhr nicht alle Stürze erkennen kann.
- Pro: funktioniert auch unterwegs, kann automatisch den Notruf wählen
- Pro: unauffällig, sieht aus wie eine normale Uhr
- Contra: muss getragen und regelmäßig geladen werden
- Contra: braucht je nach Modell ein Smartphone oder Mobilfunk, die Bedienung ist für manche ungewohnt
Radar- oder Präsenzsensor im Raum
Diese Sensoren hängen an Wand oder Decke und erfassen Bewegungen im Raum, ohne Bilder zu machen. Aus Lage und Bewegung schließt die Software, ob jemand gestürzt ist. Fragt vor dem Kauf genau nach, für welche Räume ein Sensor gedacht ist und wer die Meldung bekommt.
- Pro: nichts zu tragen, nichts zu laden, nichts zu bedienen
- Pro: keine Bilder, keine Tonaufnahme
- Contra: ein Sensor deckt meist nur einen Raum ab, das Bad ist oft schwierig
- Contra: Installation nötig, Fehlalarme möglich, jemand muss die Meldung empfangen
Bodensensor
Sensormatten oder Sensorböden liegen unter dem Bodenbelag und erkennen, ob jemand geht, steht oder liegt. Sie werden in der Regel beim Verlegen eines neuen Bodens eingebaut.
- Pro: unsichtbar, nichts zu tragen
- Pro: keine Bilder
- Contra: Einbau aufwendig, meist nur bei Renovierung sinnvoll
- Contra: erfasst nur die ausgestatteten Flächen
Lebenszeichen und Inaktivität
Manche Hausnotrufe bieten eine Tagestaste an: Die Person drückt zu vereinbarten Zeiten eine Taste. Bleibt der Druck aus, fragt die Zentrale von sich aus nach, ob alles in Ordnung ist. Ähnlich arbeiten Bewegungsmelder, die Alarm geben, wenn sich über längere Zeit nichts rührt.
- Pro: einfach, wenig Eingriff in die Privatsphäre
- Pro: fällt auch auf, wenn jemand nicht mehr rufen kann
- Contra: erkennt keinen Sturz im Moment, sondern erst nach Stunden
- Contra: die Tagestaste muss im Alltag gedrückt werden, sonst gibt es Fehlalarme
Sprachalarm
Ein Sprachalarm erkennt keinen Sturz, sondern einen Hilferuf. Bei unserem Sprachalarm steht ein kleines Gerät zentral in der Wohnung. Es erkennt im Gerät selbst nur das Wort „Hilfe“, es wird nichts aufgenommen. Wer innerhalb von etwa zwei Minuten dreimal „Hilfe“ ruft, auch mit Pausen, löst einen Anruf und eine SMS an bis zu drei Kontakte aus.
- Pro: nichts zu tragen, nichts zu laden, auch nachts und nach dem Duschen da
- Pro: keine Kamera, keine Audioaufnahme
- Contra: erkennt keine Stürze und hilft nicht, wenn jemand nicht rufen kann
- Contra: Rufweite hängt von Wohnung, Türen und Lautstärke ab, laute Fernseher können die Erkennung erschweren; braucht Strom und WLAN
- Contra: keine Notrufzentrale, wählt nicht die 112
Alles auf einen Blick
| Technik | Erkennt Sturz automatisch | Muss getragen werden | Was es braucht |
|---|---|---|---|
| Notrufarmband mit Sturzsensor | Ja, nicht jeden | Ja | Laden, Basisstation oder Mobilfunk |
| Smartwatch mit Sturzerkennung | Ja, nicht jeden | Ja | Laden, je nach Modell Smartphone |
| Radar- oder Präsenzsensor | Ja, nicht jeden | Nein | Installation je Raum |
| Bodensensor | Ja, nicht jeden | Nein | Einbau unter dem Bodenbelag |
| Tagestaste, Inaktivitätsmelder | Nein, meldet fehlendes Lebenszeichen | Nein | Tägliches Drücken bzw. Sensor |
| Sprachalarm | Nein, braucht einen Ruf | Nein | Steckdose und WLAN |
Datenschutz: Ohne Kamera heißt nicht ohne Daten
Auch kamerafreie Technik sammelt Daten: Bewegungen im Raum, Uhrzeiten, bei Uhren oft auch den Standort. Fragt deshalb vor dem Kauf, welche Daten erfasst werden, wo sie gespeichert sind, wer sie sieht und wie lange sie aufbewahrt werden. Und besprecht die Technik mit Euren Eltern, bevor sie ins Haus kommt. Was erlaubt ist und wie Ihr das Gespräch führt, erklärt unser Ratgeber Eltern im Blick behalten – was ist erlaubt?
Was passt zu wem?
Wer viel unterwegs ist und mit Technik gut zurechtkommt, ist mit einer Uhr oder einem mobilen Notrufarmband gut bedient. Wer zu Hause Sicherheit möchte und einen Pflegegrad hat, sollte sich den klassischen Hausnotruf ansehen, denn ihn bezuschusst die Pflegekasse unter bestimmten Voraussetzungen. Wer kein Armband tragen mag, kann über Sensoren im Raum oder einen Sprachalarm nachdenken.
Oft ist eine Kombination am sinnvollsten: zum Beispiel ein Hausnotruf mit Sturzsensor für den Alltag und ein Sprachalarm für die Momente, in denen der Sender auf dem Nachttisch liegt. Einen fairen Vergleich der Kategorien findet Ihr unter Eltern im Blick behalten – mit oder ohne Kamera? und im Überblick über Hausnotruf-Alternativen.
Wohnwacht ist kein Hausnotruf und keine Notrufzentrale. Bei Lebensgefahr: 112.