Dieser Artikel gibt allgemeine Gesundheitsinformationen und ersetzt keinen ärztlichen Rat.
Die kurze Antwort
Dass ältere Menschen nachts häufiger wach werden, ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Häufige Gründe sind nächtlicher Harndrang, Schmerzen, Medikamente, wenig Bewegung am Tag oder ein langer Mittagsschlaf. Ärztlich abklären solltet Ihr es, wenn die Nächte über Wochen kaum erholsam sind, wenn jemand stark schnarcht oder tagsüber dauernd erschöpft ist, und rasch, wenn jemand plötzlich verwirrt oder ungewohnt unruhig wirkt.
Was im Alter normal ist
Mit den Jahren verändert sich der Schlaf. Die Tiefschlafphasen werden kürzer, der leichte Schlaf nimmt zu. Ältere Menschen wachen deshalb öfter bewusst auf, schlafen schwerer wieder ein und sind morgens früher wach. Das beschreibt das Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums. Kurzes Aufwachen gehört dabei zu jedem Schlaf: Auch gesunde Erwachsene wachen nachts viele Male kurz auf, meist ohne es zu merken.
Ein verbreiteter Irrtum ist, dass ältere Menschen weniger Schlaf brauchen. Im Allgemeinen ist das nicht so. Wie viel Schlaf jemand braucht, ist aber sehr verschieden. Manche fühlen sich nach sechs Stunden ausgeruht, andere brauchen acht.
Und: Eine schlechte Nacht ist noch keine Schlafstörung. Von einer Schlafstörung spricht man erst, wenn die Probleme über mindestens einen Monat in mindestens drei Nächten pro Woche auftreten und die Lebensqualität oder Leistungsfähigkeit darunter leidet.
Was häufig dahintersteckt
Nachts zur Toilette
Häufiger nächtlicher Harndrang ist einer der häufigsten Gründe, warum ältere Menschen aufstehen. Viel trinken ist gesund, kurz vor dem Schlafengehen aber nicht sinnvoll. Wenn jemand sehr oft raus muss, lohnt es sich, das mit der Hausärztin zu besprechen.
Schmerzen und andere Beschwerden
Rücken, Gelenke, Magen und Darm: Chronische Schmerzen und körperliche Beschwerden stören den Schlaf. Auch Erkrankungen wie Diabetes können eine Rolle spielen.
Medikamente
Manche Medikamente können die Schlafqualität verschlechtern. Wer mehrere Medikamente nimmt, kann den Medikamentenplan in der Praxis oder in der Apotheke durchsehen lassen. Setzt bitte nichts eigenmächtig ab.
Schnarchen und Atemaussetzer
Eine Schlafapnoe, bei der die Atmung im Schlaf immer wieder stockt, kommt bei älteren Menschen nicht selten vor. Sie zeigt sich meist durch lautes Schnarchen. Wer davon erzählt bekommt oder sich morgens wie gerädert fühlt, sollte es ärztlich ansprechen.
Unruhige Beine
Beim Restless-Legs-Syndrom spüren Betroffene ein unangenehmes Gefühl in den Beinen und einen starken Drang, sie zu bewegen. Die Beschwerden treten in Ruhe auf und sind abends und nachts am stärksten. Bewegung lindert sie kurzzeitig, das Einschlafen fällt schwer.
Der Tagesablauf
Wer nicht mehr zur Arbeit geht, früher ins Bett geht, sich tagsüber wenig bewegt und wenig Tageslicht abbekommt, schläft nachts oft schlechter. Ein langer Mittagsschlaf, Kaffee am Nachmittag oder Alkohol am Abend können das verstärken.
Sorgen und Einsamkeit
Stress, Sorgen und belastende Ereignisse gehören zu den häufigsten Gründen für gestörten Schlaf, in jedem Alter. Nach dem Tod eines Partners, einem Umzug oder einer Diagnose ist es verständlich, wenn die Nächte eine Zeit lang unruhig sind.
Demenz
Bei einer Demenz gerät der Tag-Nacht-Rhythmus oft früh durcheinander. Manche werden am frühen Abend unruhiger, verwirrter oder ängstlicher. Das nennt man Sundowning. Die Alzheimer Forschung Initiative empfiehlt feste Tagesabläufe, Tageslicht am Morgen, Bewegung, einen kurzen Mittagsschlaf von höchstens 30 Minuten und ruhige Abende mit gedimmtem Licht.
Warnzeichen: Wann zum Arzt?
Das Gesundheitsportal des Bundes rät, mit der Hausärztin oder dem Hausarzt zu sprechen, wenn Schlafprobleme stark belasten. Achtet besonders darauf, wenn Eure Mutter oder Euer Vater
- deutlich weniger als sieben Stunden schläft,
- länger als zwei Stunden am Stück wach liegt,
- sich länger als vier Wochen morgens erschöpft fühlt,
- stark schnarcht oder
- wegen der Nächte im Alltag dauerhaft nicht mehr zurechtkommt.
Schneller handeln solltet Ihr, wenn sich etwas plötzlich verändert: Wer innerhalb von Stunden oder Tagen verwirrt, desorientiert, ängstlich oder ungewohnt unruhig wird, kann ein Delir haben. Das Zentrum für Qualität in der Pflege beschreibt einen plötzlichen Beginn und einen schwankenden Verlauf als typisch, die Anzeichen sind abends oft stärker. Häufige Auslöser sind zum Beispiel Flüssigkeitsmangel, Infektionen, Schmerzen oder Medikamente. Ein Delir sollte möglichst schnell ärztlich abgeklärt werden. Bei Lebensgefahr gilt immer die 112.
Was helfen kann
Viele kleine Dinge machen die Nächte ruhiger. Das Gesundheitsportal des Bundes nennt unter anderem:
- regelmäßige Zeiten zum Schlafengehen und Aufstehen,
- Bewegung an der frischen Luft und Tageslicht, auch an grauen Tagen,
- einen Mittagsschlaf von höchstens 30 Minuten,
- abends leichtes Essen, kein Kaffee ab dem Mittag, wenig Alkohol,
- ein dunkles, ruhiges, gut gelüftetes Schlafzimmer mit etwa 16 bis 18 Grad,
- ein ruhiges Abendritual, etwa Lesen oder ein Kräutertee,
- aufstehen und kurz in einen anderen Raum gehen, wenn man nach 15 bis 30 Minuten nicht einschläft, und nachts nicht auf die Uhr schauen.
Ein Nachtlicht im Flur und auf dem Weg zum Bad hilft zusätzlich bei der Orientierung, wenn jemand nachts aufsteht. Schlaf- und Beruhigungsmittel sollten nur für kurze Zeit und nach ärztlicher Rücksprache eingesetzt werden. Bei älteren Menschen können sie zu einem unsicheren Gang und einem höheren Sturzrisiko führen, und sie können abhängig machen.
Beobachten, ohne zu überwachen
Aus der Ferne ist es schwer zu sagen, ob eine Nacht nur ein Ausreißer war oder ob sich etwas verändert. Am meisten erfahrt Ihr im Gespräch. Fragt ruhig nach: „Wie hast Du geschlafen? Wie oft warst Du wach?“ Manche Eltern führen gern ein paar Wochen ein einfaches Schlaftagebuch, das sie zum Arzttermin mitnehmen können.
Wer mehr möchte, kann Technik nutzen, die ohne Kamera auskommt und nur meldet, wenn sich etwas verändert. Unser Schlaf-Monitoring nutzt eine Matte unter der Matratze. Sie bemerkt, wann jemand ins Bett geht und aufsteht und ob jemand nachts oft wach liegt oder aufsteht. Wohnwacht vergleicht jede Nacht mit den gewohnten Nächten derselben Person. Ihr bekommt sonntags einen kurzen Wochenbericht und am Morgen eine SMS, wenn eine Nacht deutlich anders war als sonst. Keine Kamera, kein Mikrofon.
Wichtig ist uns dabei: Wohnwacht stellt keine Diagnose und sagt nichts darüber, warum eine Nacht anders war. Es gibt Euch einen Anlass, nachzufragen, nicht mehr und nicht weniger. Eure Eltern sollten wissen, dass die Matte da ist, und einverstanden sein. Wie sich verschiedene Lösungen in Sachen Privatsphäre unterscheiden, zeigt unser Vergleich Eltern im Blick behalten – mit oder ohne Kamera? Mehr über den Schlaf im Alter allgemein lest Ihr in unserem Ratgeber Schlaf im Alter.
Und Ihr?
Wenn Eure Mutter oder Euer Vater nachts unruhig ist, schlaft Ihr oft selbst schlecht, besonders wenn Ihr mit im Haus wohnt oder nachts angerufen werdet. Nehmt Hilfe früh an. Gerade bei einer Demenz können Nachtpflege, Tagesbetreuung oder stundenweise Hilfe zu Hause entlasten. Eine Pflegeberatung oder ein Pflegestützpunkt in der Nähe hilft Euch, das passende Angebot zu finden.